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Nachhaltige Sanierung — Eine Einführung

Die Geschichte unseres altes Bauernhauses im südöstlichen Zipfel des bayerischen Waldes geht etwa auf die 1830er Jahre zurück. Die letzten Baumaßnahmen erfolgten wohl vor etwa 50 Jahren. Da ist so einiges, was saniert werden müsste. Uns ist hier der nachhaltige Aspekt sehr wichtig: da ich meinen Master in „Nachhaltige Entwicklungsarbeit“ abgelegt habe, liegt dieser Anspruch natürlich nahe.

Doch was bedeutet „nachhaltiges Sanieren“ — was heißt eigentlich „Nachhaltigkeit“? Mein Eindruck ist, dass zum Aufhübschen vieler Konzepte und Vorgehensweisen dieser Begriff gerne gebraucht wird. Aber wird er dabei immer richtig verwendet? Nachhaltig handeln beinhaltet viel mehr als nur den ökologischen Aspekt. Ich versuche einmal, eine kurze Einführung in den Begriff zu wagen, um dann den Bogen zum nachhaltigen Sanieren zu schlagen.

Zum Thema Nachhaltigkeit finde ich drei Meilensteine besonders bemerkenswert:

  • 1987 wurde im Nachhaltigkeitsbericht der Brundtland-Kommission „Our Common Future“ nachhaltiges Handeln folgendermaßen definiert: „Nachhaltig ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“
  • 1992 fand die Konferenz der Vereinten Nationen über Entwicklung und Umwelt in Rio de Janeiro statt. Hier wurde das Begriffsverständnis von Nachhaltigkeit in einer Richtung gefestigt, nach der die drei Säulen beziehungsweise Dimensionen gleichrangig und gleichgewichtig sind: Ökologie, Ökonomie und Soziales.
  • 2015 wurden auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung der UN in New York die 17 SDGs verabschiedet, die Sustainable Development Goals. Anknüpfungspunkte zum Thema nachhaltiges Sanieren sind unter dem SDG 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ zu finden.

Wirkliche Nachhaltigkeit besteht somit nur dann, wenn eine Gleichrangigkeit der drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales besteht. Ist dieses Optimum tatsächlich erreichbar? Fairerweise gleich vorweg: ein Gleichgewicht ist praktisch nie in vollem Maße erreichbar. Es sollte aber zumindest angestrebt werden. Dieser nachhaltige Gedanke lässt sich auf alle Lebensbereiche anwenden, so auch auf das Bauen beziehungsweise in unserem Fall auf das Sanieren eines Bestandsgebäudes.

Dabei fallen zahlreiche Arbeitspakete an wie Entrümpeln, Rückbauen, Wiederverwerten, Entsorgen oder Schädlinge bekämpfen. Aber auch Baumaterialien auswählen, Handwerksbetriebe und Transportwege. Und dies stellt nur eine Auswahl dar.

Wir starten also unseren Versuch, für den kleinen Hof einen nachhaltigen Weg bei der Sanierung einzuschlagen und bestmöglich anzuwenden. Über kleine und große Erfolge, über unsere Entdeckungen aber auch Misserfolge könnt Ihr hier lesen!

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Der Hof fernab!

Ein altes Bauernhaus. Oder Resthof, ehemaliger Aussiedlerhof – vielleicht auch eine stillgelegte Mühle oder ein kleines Forsthaus. Auf jeden Fall ein Rückzugsort mit wenig Wohnfläche und gerne auch mit einer Geschichte aus weit über 100 Jahren. Und umgeben von gut einem bis zwei Hektar Grünland und etwas Wald dazu – in Bayern, fernab.

Das war lange unser Traum von einem Refugium, an dem wir ungestört über neuen Ideen brüten können. So ein altes Objekt wollten wir nachhaltig in die heutige Zeit retten. Der Gedanke hatte sich bereits Jahre vorher festgesetzt, bevor wir damit Ende 2019 fokussiert durchstarten konnten: nun standen auch die finanziellen Rahmenbedingungen.

Aber was erleben wir alles! Täglich schauen wir mehrmals auf die Immobilienportale, doch beträchtliche Teile unserer Anfragen bleibt gänzlich unbeantwortet. Das ist jedoch auch kein Wunder, denn die Objekte werden im Regelfall nur für wenige Stunden eingestellt, dann gehen die Angebote wieder offline. Suchmaschinen mit nur täglicher Benachrichtigung sind nutzlos. Doch das merken wir auch erst nach ein paar Monaten. Wir haben auch Fälle, da läuft die Uhr nach 30 Minuten bereits ab. Auf Nachfrage hin erklären die Makler, dass sie innerhalb kürzester Zeit von Anfragen überflutet werden. Wer nur am Wochenende den Stand abruft, findet daher kaum neue Objekte. Oder nur solche, die keiner möchte.

Meist finden noch am Nachmittag die ersten Besichtigungen statt und für die Objekte liegen daher spätestens am Folgetag bereits einige Kaufangebote vor. Eine Besichtigung erst zum Wochenende macht daher keinen Sinn mehr. Ebenso wenig ergibt sich Spielraum: einen Gutachter einzuschalten ist zeitlich nahezu unmöglich, gleiches gilt für Preisverhandlungen. Teilweise erleben wir, dass Objekte nach einer Woche mit einem kräftigen Aufschlag nochmals eingestellt werden.

Allerdings scheinen manchmal auch die Besichtigungen enttäuschend auszugehen, jedenfalls finden wir einige Angebote im Preis deutlich reduziert ein paar Wochen oder Monate später neu angepriesen wieder. Andere hingegen stehen auch nach einem halben Jahr unverändert in der Liste. Kurios sind dann Mails, in dem uns Makler beglückwünschen, als Käufer ausgewählt zu sein – obwohl unsere Anfrage nach einem Exposé oder Besichtigungstermin nie beantwortet wurde. Ein Großteil der Verkäufer kann es gelassen angehen in Bayern – und die Interessenten müssen umso mehr Geduld und Zeit mitbringen, aber dann blitzschnell zuschlagen!

Und genau das haben wir letztes Jahr getan: es waren über 200 Objekte, denen wir in hunderten von Stunden nachgingen. Ein paar tausend Kilometer waren wir dafür unterwegs. Monatelang hat uns der kleine Einfirsthof dann in Atem gehalten, bis wir den Schlüssel in den Händen hielten. Aber wir wurden auch erstklassig von der Bank, unserem Makler und deren Teams betreut.

Es gibt noch sehr viel zu tun, denn bezugsfertig ist er nicht. Wir geben uns ein paar Jahre, um den alten Hof nachhaltig zu retten. Es wird ein neues Abenteuer – aber wir hoffen, dass es möglich ist. Oben seht Ihr unseren Hof, wunderbar eingeschneit zur Weihnacht.

Schaut immer mal wieder vorbei: wir möchten unsere Erfahrungen hier im Blog mit Euch teilen. Gerne können wir uns unter Gleichgesinnten austauschen, vielleicht auch gemeinsam am knisternden Lagerfeuer!