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Ein Nistkasten für den Wiedehopf

Noch haben wir ihn bei uns nicht beobachtet: den Wiedehopf, Vogel des Jahres 2022. Ein scheuer Höhlenbrüter, der in Bayern nur mit wenigen Brutpaaren sichtbar ist. Die haben es nicht leicht in einer intensiven Landwirtschaft: Der LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz, ältester Naturschutzverbund Bayerns) bezeichnet den Wiedehopf als eine vor dem Aussterben bedrohte Tierart, die laut der Sielmann-Stiftung seit 2021 in ganz Deutschland auf der Roten Liste steht.

Normalerweise ist der auffallende etwa 28 Zentimeter große Zugvogel mit der aufstellbaren Federhaube, den schwarz-weiß gebänderten Flügeln und dem langen gebogenen Schnabel unseren Winter über in Afrika, jedoch brütet er bei uns. Der Vogel jagt überwiegend am Boden nach großen Insekten wie Feldgrillen, Heuschrecken und Käfer, aber auch Schmetterlingsraupen und Engerlinge. Er liebt daher ein strukturreiches Offenland mit teilweise spärlichem Pflanzenwuchs. Wenngleich nicht stellenweise vegetationsfrei und sandig, zeigt unser Biotop durchaus dünne und kurze Graselemente, bietet reichlich Struktur mit den vereinzelten Streuobstbäumen in einer Hügellandschaft und unserem kleinen Agroforstsystem am Tümpel. Und natürlich bringen wir, seit wir unseren Bergbauernhof haben, weder Dünge- noch Pflanzenschutzmittel aus, lassen die Grünfläche ruhen bis auf eine einzige sehr späte Mahd.

Um den markanten Vogel vielleicht zu sehen, haben wir den Nistkasten vom Naturpark Bayerischer Wald — kein Scherz — am ersten April aufgestellt, denn die Balzzeit dürfte in unserer Höhe Ende April liegen und Ende Juli könnten die Jungvögel flügge werden. Anderswo wären auch zwei Bruten in einem Jahr möglich, sonst zieht es den Wiedehopf den Winter über ab August wieder in den Süden.

Der Wiedehopf liebt die Wärme, wobei der LBV empfiehlt, den Nistkasten nicht dauerhaft der Sonne auszusetzen, sondern zu beschatten oder zusätzlich auch zu tarnen. Aber der Vogel liebt es tief, er nistet sogar in Lesesteinhaufen: Das Einflugloch des Nistkastens sollte nur etwa 50 Zentimeter oberhalb des Bodens angeordnet sein. In größerer Höhe angebracht nutzt sonst ein Konkurrent den Nistkasten, der Star. Zur Verteidigung in Bodennähe nutzt der Wiedehopf und seine Brut einen deutlich wahrnehmbaren Gestank, welcher Feinde wie Marder oder Fuchs vertreibt. Dabei sollte der Nistkasten nicht im Wald angebracht werden: zwar verbringen die Vögel die Nacht gerne im Wald, jedoch lauert dort die Gefahr beispielsweise mit den Baumfalken. Daher sollte ein Mindestabstand zum Wald gegeben sein, noch mehr zu Siedlungen. Optimal sind dabei südöstlich ausgerichtete Böschungen. Und genau so ist unser Angebot an den schönen Vogel aufgehängt.

Wenn Ihr auch einen Nistkasten bauen möchtet: Das Einflugloch sollte einen Durchmesser von etwa 5,5 Zentimetern aufweisen und gerne aufgedoppelt werden, der Nistkasten eher breit ausladen mit 50 Zentimetern, eine Höhe von 35 und eine Tiefe von 25 Zentimetern aufweisen. Eine gute Bauanleitung gibt es beim LBV.

Zum Schutz der Baumrinde unserer alten wilden Vogelkirsche haben wir einen Spanngurt mit Ratsche verwendet. Viel basteln mussten wir nicht: Unseren Nistkasten haben wir dankenswerter Weise vom Naturpark Bayerischer Wald erhalten und zusätzlich nur die zwei dicken Latten angebracht zur Stabilisierung und zum Einschlagen in den Boden. Auf den Seiten des Naturparks könnt Ihr auch dem Ruf des Wiedehopfes lauschen.

Übrigens: Wir sind seit 2022 Mitglied im Naturpark Bayerischer Wald, haben mit unserer Streuobstwiese gleich im ersten Jahr das erste Projekt durchgeführt und planen derzeitig ein weiteres gemeinsames Projekt bei uns am Hof. Und was viele nicht wissen: auch Privatpersonen können Mitglied werden und die Naturparkarbeit unterstützen!

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Wir haben ein Biotop auf unserem Hof!

Hurra: Mit dem offiziellen Schreiben des Bayerischen Landesamtes für Umwelt vom September haben wir ein Biotop auf unserem Hof!

Und es ist uns eine Herzensangelegenheit. Dabei haben wir nur einen Teil des Gesamtbiotops, welches bezeichnet wird als „Extensivwiese bei Lackerau“ und geführt wird als „südexponierter, nur mäßig steiler Wiesenhang“. Das Biotop gehört zum „Passauer Abteiland“ und hat eine Gesamtfläche von etwa 4,5 Hektar. Davon liegen über 6.500 Quadratmeter (15%) auf unserem Grünland, hauptsächlich die obere Mähwiese oberhalb unserer Streuobstwiese. Dieser Bereich ist nun gesetzlich geschützt nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 30 BNatSchG) in Verbindung mit dem Bayerischen Naturschutzgesetz (Art. 23 BayNatSchG) und ist eine magere Mähwiese mit Borstgrasanteil. Gleichzeitig ist unser Bereich nach Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie der Europäischen Union als FFH-Lebensraumtyp hervorgehoben und im Zustand „hervorragend“ bewertet. Die nähere Beschreibung unseres Bereiches lautet:

Die Mähwiese ist ausgesprochen krautreich mit Kleinem Klappertopf, Wiesen-Glockenblume, Gewöhnlichem Ferkelkraut und Geflecktem Johanniskraut. Der Scharfe Hahnenfuß ist aspektbildend. Die Gräserschicht wird von Gewöhnlichem Ruchgras, Rot-Schwingel und Glatthafer gebildet. Am Koppelrand geht der Bestand kleinflächig über in einen krautreichen, mäßig artenreichen Borstgrasrasen mit Borstgras, Kleinem Sauer-Ampfer, Heide-Nelke, Kleinem Mausohr, Arznei-Thymian, Blutwurz und Stengelloser Silberdistel. Hier wächst auch die gefährdete Pech-Nelke.

Ein Hinweis zur Roten Liste Bayerns: Die Pech-Nelke wird mit Stufe 3 als gefährdet eingestuft, die niedrigste Stufe der Einordnungen (0 steht für bereits ausgestorben). Die Stengellose Silberdistel ebenso wie die Heide-Nelke steht auf der Vorwarnliste zur Roten Liste.

Und wie geht es weiter? Wir planen bereits die Erweiterung: Unten an unserer Quelle soll der ehemalige kleine Tümpel zu einem Weiher vergrößert werden und daneben am Südhang aus Lesesteinen unserer Wiese zukünftig eine Trockenmauer auch eine Überwinterungsmöglichkeit bieten für Reptilien, Grasfrösche oder auch Ringelnatter und Kreuzotter.